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Seit
30 Jahren produzieren wir im Theater Fadenschein Theaterstücke
für die über 3-jährigen. Immer mit dem Anspruch, die Kinder
ernst zu nehmen und mit ihnen künstlerisch auf Augenhöhe zu
sein. Dann begegneten wir vor 6 Jahren zum ersten Mal auf
dem Festival in Hamm „First steps“ dem Theater für die Allerkleinsten,
d.h. den unter 3-jährigen Zuschauern. Es war ein AHA-Erlebnis.
Wir waren begeistert und infiziert. Seitdem sind wir rege
am Austausch in dieser Szene beteiligt, und verfolgen die
neuesten Entwicklungen auf Fachtagungen. Dort wurde uns deutlich,
dass diese, in Deutschland relativ neue Theaterform, in anderen
europäischen Ländern schon viele Jahre etabliert und auf einem
künstlerisch sehr hohen Niveau ist. Mit dieser Zielsetzung
haben nun auch bei uns Wissenschaftler, Erzieher/innen und
Künstler in den letzten Jahren in Forschungsprojekten zusammen
gearbeitet, wie z.B. „small size“ (europäisches Netzwerk)
und „Theater von Anfang an!“ (deutsches Forschungsprojekt).
Neuste entwicklungspsychologische Forschungen haben ergeben,
dass Kinder bis zum dritten Lebensjahr mit allen Grundmustern
ausgestattet sind, die für das menschliche Zusammenleben notwendig
sind. Daraus lässt sich ableiten: ‚Die Welt erfahren‘ wollen
auch schon die ganz Kleinen. So ist Theater für die Allerkleinsten
als ein wegweisender Beitrag zur kulturellen Bildung im frühkindlichen
Bereich zu sehen. Fantasie und Kreativität werden angeregt,
die Sinne geschärft und individuelle Entwicklungsprozesse
in Gang gesetzt. Auf dem „Weitblick-Festival 2007“ hatten
wir mit „Erde, Stock und Stein“ vom Helios Theater aus Hamm
zum ersten Mal eine Produktion für die unter 3-jährigen zu
Gast. Sowohl die Kinder als auch die begleitenden Erwachsenen
waren total begeistert und Skeptiker wurden überzeugt. Seitdem
standen regelmäßig Gastspiele für diese Zielgruppe im Fadenschein-Programm
- und das mit steigendem Erfolg. Künstlerisch reizt uns diese
neue Theaterform schon lange und nun endlich im August 2010
hatten wir Premiere mit dem ersten eigenen Stück: “TÜR
AUF TÜR ZU“.
Spielerisch die Welt erfassen, verstehen und gestalten sind
antreibende Kraft, beim Künstler wie beim Kleinkind. An dieser
Schnittstelle besteht ein Geben und Nehmen. Wir gehen in die
Kindergärten, beobachten, zeigen, spielen und entwickeln so
zusammen mit der Regisseurin das Stück. Uns fasziniert die
fließende Grenze zwischen Realität und Fiktion, das Abstraktionsvermögen
und die Fantasie bei den Kleinkindern. Künstler wie Paul Klee
und Pablo Picasso verneigten sich vor den „Uranfängen von
Kunst in den Kinderzimmern“. Paul Klee: „Kinder können es
und es steckt viel Weisheit darin, dass sie es können“. Mit
LILIPUT!
möchten wir erreichen, dass Erzieher/innen, Eltern und Großeltern
ihren Kindern auf neue Weise begegnen können, nämlich auf
Augenhöhe, und den Kleinsten bei uns eine ungewöhnliche Tür
beim Entdecken und Verstehen der Welt geöffnet wird. Wir möchten
dazu beitragen, dass eine gemeinsame Teilnahme von Erwachsenen
und Kleinkindern am kulturellen, öffentlichen Leben, wie sie
in vielen südlichen Ländern ganz selbstverständlich stattfindet,
auch bei uns möglich wird. Im beschützten Rahmen, d.h. mit
niedrigen Zuschauerzahlen, kürzeren Aufführungszeiten, bei
gemütlichem Ankommen und Verweilen auf Teppichboden, und bei
Bedarf auf dem Schoß des begleitenden Erwachsenen. Lachen,
Aufstehen, Nachplappern, eventuell auch Rausgehen und wieder
Reinkommen, alles kein Problem!
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