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Chronik
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der Geschichte geplaudert
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figurentheater FADENSCHEIN
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1984 gegründet von Hanne Scharnhorst, Martin Schimmöller, Michael Nöck
Gebhardt-Seele
-
Produktion von Stücken für Kinder und Erwachsene
- Betrieb eines eigenen Theaters in Braunschweig mit eigenen Vorstellungen
und Gastbühnen
- Tourneebetrieb mit allen Stücken (vorwiegend Deutschland, aber auch
international)
- Leitung von Theaterseminaren
- "special events"
Damals...
Und
so hat alles angefangen: Ende der 70er Jahre fand sich an der Pädagogischen
Hochschule zu Braunschweig eine Studentengruppe zusammen, die im Rahmen
einer Projektarbeit gemeinsam mit dem damaligen Dozenten Enno Podehl begann,
erste Gehversuche im Puppentheater zu unternehmen.
Die Gruppe gab sich den Namen "Der Rote Faden - Theater mit und ohne
Puppen".
Martin Schimmöller und Hanne Scharnhorst waren ziemlich von Anfang an
dabei. "Straßentheateraktionen", "Die Bundschuhbauern", "Die Kronenklauer"
waren erste Arbeiten. Ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Professionalisierung
war die Produktion von Enno Podehls Stück "Theater über Theater", das
auf der Braunschweiger Puppenspielwoche im Mai 1982 eine begeistert gefeierte
Premiere hatte. Da war dann auch Michael Nöck Gebhardt-Seele schon
dabei. Neben verschiedenen anderen Kontakten und Vorbildern entwickelte
sich früh eine intensive Verbindung zum Klappmaul-Theater in Frankfurt.
Da gab es zum Beispiel von Manfred Roth die sagenhafte Inszenierung des
"Pierrot Lunaire" zu Musik von Arnold Schönberg mit einer wahrhaft bombastischen
Ausstattung aus der Klappmaul-Werkstatt. Bei der Aufführung 1982 auf der
braunschweiger Puppenspielwoche spielten Hanne Scharnhorst und Michael
Nöck Gebhardt-Seele mit.
Es war wohl auf der Premierenfeier von "Theater über Theater" in der legendären
Theaterwerkstatt an der Marienstraße, als der Kontakt zu Egbert (Ecki)
Buchholz vom Kulturamt sich verdichtete und die Idee geboren wurde, in
der 'Brücke' regelmäßig Puppentheater anzubieten. Die Euphorie nach der
gelungenen Premiere hatte daraufhin gleich zwei Geburtsvorgänge zur Folge:
Der erste: Hanne Scharnhorst und Anne Podehl setzen mit Unterstützung
von Hansgeorg Mahler vom KLAPPMAUL Theater, Frankfurt das Stück "Ein
Frosch lernt Fressen" neu in Szene. Schon im Oktober 1982 kam
das muntere Plastikschüssel-Fröschlein in der 'Brücke' zur Aufführung
und wurde schnell für etliche Jahre zum Liebling zahlreicher Kinder und
vor allem auch Kindergärtnerinnen. Parallel hierzu wurde unter Mithilfe
zahlreicher Team- und Familienmitglieder von Michael Nöck Gebhardt-Seele
und Gertrud Pigor das Stück "Die
Reise durchs Fenster" entwickelt und ebenfalls im Oktober 1982
zur Premiere gebracht. Das Stück befand sich in mehrfach überarbeiteter
Form unter dem Titel "Zauberreise" noch lange Jahre im Fadenschein-Repertoire
und Willi's 'Zauberzieher' schaffte es immer wieder mühelos, eine poetische
Befreiung der Phantasie herbeizuzaubern. Im Januar 2005 erfuhr das Stück
die endgültig letzte Vorstellung und anschließend wurde die
Ausstattung versteigert.
Der Start war also recht gelungen und es folgten schnell zahlreiche Gastspielangebote
und einige Festival-Auftritte, so z.B. auf der FIDENA in Bochum,
in München, in Bremen, in Hannover, in Lingen, in Stuttgart und nicht
zuletzt wäre da natürlich die sagenhafte Reise nach Polen zu nennen zum
Festival in Bielsko-Biala.
Es gab durchaus frühzeitig in der Stadt Stimmen, die das junge Pflänzchen
Figurentheater pflegen wollten und so geschah es, dass die erste Produktionsförderung
ins Haus stand. Parallel zum 'Theaterspielplatz', dem Kinder- und Jugendtheater
des Staatstheaters, das damals seinen Start vorbereitete wurde wieder
eine Produktion in Angriff genommen: "Halogen und Bitterlemon".
Der Kinder-Science-Fiktion hatte im September 1983 Premiere.
Und was war denn nun mit den Vorhaben in der 'Brücke'? Ein bißchen hat's
noch gedauert nach den ersten Ansätzen und Egbert Buchholz hat die Ärmel
hoch gekrempelt und nach Kräften den etwas störrischen Amtsschimmel zurecht
gestriegelt bis es im Herbst 1983 endlich soweit ist: Als kontinuierliches
Programm unter Federführung der braunschweiger Puppenspieler und unterstützt
von Gastspielen befreundeter Spieler aus Deutschland und der ganzen Welt
kann das "FIGURENTHEATER IN DER BRÜCKE" in den Sattel gehievt werden.
Das Kulturamt stellt den Raum, die Werbung, besorgt das nötige Budget
für die Honorare und so hat das Figurentheater in Braunschweig sowas wie
eine Heimat gefunden. (Diese Zusammenarbeit sollte sich über viele Jahre
hin bestens bewähren.) Bemerkenswert ist zudem, dass hiermit zum ersten
mal in Braunschweig ein laufendes Angebot von Kindertheater etabliert
wurde - ein Meilenstein in der Kulturgeschichte dieser Stadt. Der 'Theaterspielplatz',
der - geleitet von Thomas Lang - wenig später seine Pforten öffnet, wird
bald zum guten Freund und Mitstreiter und so kann der Weg des braunschweiger
Kindertheaters kollegial beschritten werden, die ein und andere Kooperation
wird die Freundschaft festigen und beide Pflänzchen können wohl gedeien.
1984
Aus der Freundschaft mit anderen Theatern entspringt im April 1984 ein
Workshop mit Heather Robb (Le Coq Schule, Paris). Nach so manchem Wechsel
in der Besetzung in den ersten Jahren, gibt es dann 1984 noch einmal einen
großen Umbruch. Ein Ergebnis ist, dass Hanne Scharnhorst, Martin Schimmöller
und Michael Gebhardt-Seele beschließen, das Theaterspielen zum gemeinsamen
Beruf zu machen: Das FIGURENTHEATER FADENSCHEIN wird gegründet
und arbeitet bis heute in dieser Besetzung. Damit ist das Figurentheater
Fadenschein eines der stabilsten Ensembles des Landes.
Mit der Premiere von "ZilpZalp in
der Zwitscherbude" im September 1984 hat das Figurentheater
Fadenschein einen glänzenden Start. Es ging darum, eine unterhaltsame
Formensprache zu finden, die 'Open air' funktioniert, die Suche nach einer
windfesten Kulisse mit großen, bzw. hoch spielbaren Figuren führte zu
der Litfaßsäule mit großen und kleinen Vögeln, die Geschichte ergab sich
improvisierend. Die Produktion zählt bis heute zu den meist gespielten
Stücken des Theaters und erfreut sich einer weit verzweigten Fan-Gemeinde.
Sie war in der Partnerstadt Kasan (Tatarstan) dabei, eine Kurzversion
davon wurde vom ZDF ausgestrahlt
1985
Der
VEREIN ZUR FÖRDERUNG DES FREIEN THEATERS IN BRAUNSCHWEIG wird gegründet
(La Otra Orilla, Fadenschein, Purpurweiß) In Zusammenarbeit mit Anke Meyer
(Theater Purpurweiß) wird nach neuen und zeitgemäßen Formen theatralen
Ausdrucks gesucht. Beflügelt von einem Theater-Workshop bei Yoshi Oida
in Berlin und einem bei Carlos Cueva, auch beeinflusst von der Arbeit
der Kollegen von La Otra Orilla wird experimentierend und recherchierend
an einem Abendstück zum Thema Esskultur gearbeitet. Im Rahmen der großen
Niedersächsischen Landesausstellung im Braunschweigischen Landesmuseum
hat das Stück im Oktober 1985 Premiere. Titel: "Einmal der Kirschen
Schwärze singen" Doch bis dahin sind noch einige Hürden zu überwinden:
Die Arbeitssituation im Hinterhof der Marienstraße ist einfach nicht mehr
zu ertragen. Das viel zu kleine Büro, das entweder zu warm oder zu kalt
ist, die Werkstatt im Flur, wo immer alles im Weg steht, der kleine Probenraum
mit krachender, sonst wenig aktiver Heizung, dürftig wohnlich gemacht
mit zahlreichen Lagen Teppichen vom Sperrmüll. Das ganze seit Jahr und
Tag gemeinsam genutzt mit der ebenfalls äußerst produktiven freien Theatergruppe
"La Otra Orilla" (viel später wird daraus L.O.T). So wird gemeinsam nach
neuen Wegen gesucht, was im Sommer 1985 zum gemeinsamen Umzug in die Petersilienstraße
führt: Das Büro ist zu klein und hat kein Fenster, der Aufenthaltsraum
ist praktisch ungeheizt, die Werkstatt ist im Flur und immer steht alles
im Weg, aber es gibt zwei Probenräume mit nur einer Lage Teppich (neu!)
und alle sind stolz und zufrieden und arrangieren sich und so wird die
Liaison immerhin weitere sechs volle Jahre überdauern. - Ja da staunt
man!
Ebenfalls für das Rahmenprogramm der Landesausstellung wird im Schnellverfahren
noch ein knorziges Kinderstückchen zum Thema 'Kindheit im Mittelalter'
hervorgezaubert: "Ein Eselsohr im Waschzuber" für Kinder ab 8 Jahren.
Mittelalterlicher Bänkelgesang mit Drehleier und Klampfe, grobschlächtigen
Stockmarionetten und einer Kurbelbühne im Holzkasten.
1986
Ein
weiterer Versuch für Kinder ab 8 Jahren gelangt schon im März 1986 zur
Premiere: "Firlefanz und Schattentanz". Frau Petzold vom Sozialamt
hatte zum 'Jahr des Ausländischen Mitbürgers' den Einfall, ein Puppenspiel
von Fadenschein zu initiieren. Schnell war die Idee geboren die Verwandtschaft
des Kaspertheaters mit dem türkischen Schattenspiel und seinen Protagonisten
Karagöz und Hacivat als Arbeitsgrundlage zu benutzen. Die Fördermittel
sind in diesen Jahren noch recht spärlich, doch neben dem Sozialamt engagieren
sich auch das Jugend- und Kulturamt und so kommt immerhin ein kleines
Budget zustande. Das Stück wird auf dem Festival in Lingen gespielt und
hat eine Reihe sehr temperamentvoller Vorstellungen vor Schulklassen in
Salzgitter, Braunschweig und andernorts, alles in allem ist ihm aber ein
ähnliches Schicksal wie dem vorangegangenen beschieden, denn Stücke für
Kinder ab 8 Jahren sind nur mit großem Aufwand, stark subventioniert und
im engen Kontakt mit Schulen und anderen Institutionen unters Volk zu
bringen, so tröpfelt es mit mäßigen Verkaufszahlen durch einige Jahre.
Doch es gab unter anderem auch Spielserien in Salzgitter, Saarbrücken
und Berlin mit durchaus schönen und vor allem auch aufregenden Vorstellungen:
z.B. jener in Braunschweig in einer je zur Hälfte türkisch-deutschen Schulklasse,
wo es hoch her ging und sich das Kalkül bewährte, dass es gut ist, wenn
die Menschen gemeinsam über ihre Macken lachen können. So ist die inhaltliche
Idee auch nicht so schnell tot zu kriegen und man wird später noch davon
hören...
1987
Das
Karagöz-Projekt hat bei den Auftraggebern ein derart positives Echo hervor
gerufen, daß sich in der Folge nicht nur die drei braunschweiger, sondern
zusätzlich die drei wolfsburger Ämter zusammen finden, um ein Stück für
die italienischen Kinder in Auftrag zu geben (Den Witz "Sechsämtertropfen"
hat die Presse natürlich schnell aufgegriffen). Wichtiger Motor ist Conni
Schmitt-Ott (Ausländerreferat Wolfsburg), der eifrig Kontakte vermittelt.
Die Hausaufgabenhilfe in Wolfsburg und die Theatergruppe von Hanne Scharnhorst
mit italienischen Kindern tun gute Dienste. Formale Arbeitsgrundlage ist
die simple Reihung "Iatliener-Alpen-Deutsche" die ihre Entsprechung in
einer Tierfabel sucht: "Hühner-Misthaufen-Schweine". Lieder und Verse
aus beiden Kulturen und der entsprechende Wortwitz wurden erforscht, auch
die fremde Sprache sollte nicht fehlen. Mit ersten Textentwürfen wurden
Spielformen improvisiert und getestet. Entstanden ist dann in einer wundervollen
Zusammenarbeit mit Manfred Roth (Klappmaul-Theater) "Peppino
Peperoni" das im Juni 1987 Premiere hat und - mit mittlerweile
weit über 300 Vorstellungen - zum meist gespielten Stück des Ensembles
avancieren wird. 1989 wird das Stück von der Stadt Herne mit dem "Sonderpreis
für Kindertheater" ausgezeichnet.
Das 'Figurentheater in der Brücke' brummt! Menschentrauben an der Sonntagskasse.
Viele müssen wieder weggeschickt werden. Der Kassendienst wird zum Prügelknabenjob
und jeder drückt sich davor. Trotzdem gelingt es nicht, die etwa 20 Vorstellungen
jährlich aufzustocken. Die Kulturverwaltung ist nicht interessiert, Probleme
mit dem Schließdienst und ähnliche Hürden blockieren die Ausweitung des
Veranstaltungsprogramms.
Der 'Verein zur Förderung des Freien Theaters' tritt fordernder auf, die
beteiligten Gruppen setzen sich zusammen für ein finanzielles Fundament
ein, das ein professionelles Arbeiten gewährleisten soll. Jerry Oberländer
und bald auch Peter Bischoff leisten hier wichtige Pionierarbeit. Mit
der Stadtverwaltung wird über die Ansätze einer 'Institutionellen Förderung'
verhandelt, die dann auch mit einem Anfangsbetrag von 10.000 DM eingesetzt
wird. Dieser heute bescheiden anmutende Betrag bedeutet erst einmal eine
wichtige Errungenschaft, er ist über die Jahre stetig gewachsen und so
darf die Stadt Braunschweig durchaus als wichtigste Stütze des finanziellen
Fundaments genannt werden.
1988
Alle Fadenscheins haben eine künstlerische Vorbildung, davon sind alle
Produktionen geprägt. Der stark bildhafte Charakter und die spezifische
Gestaltung jedes Stückes sind die Besonderheit aller Fadenschein-Inszenierungen.
Neben der Auswertung von Kollegen-Kontakten und eigenen Erfahrungen hat
nun professionelles Arbeiten sehr bald auch bedeutet, gezielt Fortbildung
zu betreiben. In der Praxis zeigt es sich freilich immer wieder als schwer,
das nötige Geld und die nötige Zeit verfügbar zu machen. Das Jahr 1988
wird also gezielt diesem Thema gewidmet: Schauspielkurs bei Jack Garfein
('Actors Studio' New York), Seminar zur Herstellung von Schaumstoff-Figuren
bei Peter Röders. 1989 Seminar zur Puppenführung mit Eric Bass (USA) 1990-93
regelmäßig Sprechunterricht mit Günther Wirth Außerdem wird Die Reise
durchs Fenster gründlich saniert, bekommt eine komplett neue Bühnenkonstruktion,
eine zusätzliche Szene und eine neue 'Pele'. Daneben läuft natürlich der
Tourneebetrieb mit allen verfügbaren Stücken auf vollen Touren und zahlreiche
Theaterspielkurse werden in Zusammenarbeit mit der VHS, der Fachhochschule
und dem Kulturamt abgehalten. Allem voran sei hier die Lehrtätigkeit von
Martin Schimmöller in Schauspiel- und Figurenspielseminaren bei der VHS-Braunschweig
genannt, die 1987 begann und sich über 10 Jahre erstreckt.
1989
Die
kreative Pause, das Nachdenken über künstlerische Ausrichtungen und unterschiedliche
Arbeitsschwerpunkte hat unter anderem die Idee zum Ergebnis, eine Reihe
von Solostücken zu machen. Die Entwicklung des Theaters war bislang von
künstlerischen Kompromissen geprägt und einem starken Wunsch nach gemeinsamer
Verantwortung. Das Positive dieser Haltung soll nun nicht einfach über
Bord gehen. Aber auch in anderen Bereichen des 'selbstverwalteten Betriebes'
FADENSCHEIN hat sich mittlerweile eine gewisse Arbeitsteilung als sinnvoll
erwiesen und so liegt es nahe, auch im künstlerischen Bereich die spezifischen
Ausrichtungen wechselweise kennen zu lernen.
'Solostück' soll nun nicht unbedingt heissen, dass die anderen Teammitglieder
nichts damit zu tun haben, es gibt halt einen 'Bestimmer'. (Entgegen vieler
Prophezeiungen hat der jetzt folgende Prozess bis dato keine schädlichen
Auswirkungen auf das Gemeinschaftsgefühl im FADENSCHEIN.)
Nach der mittlerweile üblich gewordenen Produktionszeit von etwa einem
halben Jahr für ein Kinderstück hat also im Juni 1989 das erste Solostück
Premiere: "Ferdinand ein starker Stier" von und mit Hanne
Scharnhorst. Wichtige Impulse für diese Arbeit entstehen aus der Begegnung
mit Ralf Reichard, der vom Clownstheater kommt und aus der Beobachtung
einer zeitgenössischen Strömung des Figurentheaters: dem Objekttheater.
In Verbindung mit ihrer Rolle als Clownin arbeitet Hanne Scharnhorst mit
sehr stark ins Material reduzierten Figuren.
Kurz eingeschoben wird nun die Überarbeitung der Kasper-Karagöz-Geschichte
Firlefanz und Schattentanz: Peter Hauck's dramaturgische Kniffe kommen
hier das erstemal zum Einsatz und wie sich herausstellen wird nicht zum
letzten mal. Das Stück erlebt mit einer wunderschönen Aufführung unter
Bäumen im Hof der Ägidienkirche im August 1989 einen vielversprechenden
Neubeginn - jetzt für Erwachsene.
Gleich anschließend folgt von und mit Martin Schimmöller als nächstes
Soloprogramm "Ein Wintermärchen".
Premiere Dezember 1989. Die Arbeitsweise geht hier in eine ganz andere
Richtung: Die vielen fantastischen und märchenhaften Bildideen werden
mit speziellen Lichteffekten wie Schatten, Blitzen und Farblichtern sowie
einem mehrdimensionalen Bühnenbild ('Reale' Bühne, Schattenspielebene,
Spiel hinter Gazevorhang) umgesetzt. Der Spieler hat nur auf der 'realen'
Ebene die Möglichkeit einer offenen Spielweise, ansonsten wird ein verdecktes
Spiel für die Fantasiewelten wichtig. Die Errungenschaft computergesteuerter
Licht- und Toneffekte kommt voll zum Einsatz und ermöglicht ein Solospiel
mit viel 'Theatezauber'. Ein Ereignisreiches Jahr!
1990
Das
Solo von und mit Michael Nöck Gebhardt-Seele hat im Juni 1990 Premiere:
"KANTO - Einer der auszog,
durch Türen zu reisen". Neben der inhaltlichen Idee, die
über lange Zeit gereift war, ging es dem Autor darum, ein sehr kleines
Stück zu entwickeln mit äußerst sparsamem Einsatz von Technik. Spiele
in kleinen Räumen 'vor Ort' waren bevorzugt angepeilt. Die Distanz zwischen
Bühne und Publikum sollte weitestgehend aufgebrochen werden zugunsten
einer erzählerischen Nähe. Kenner wissen, dass trotz aller Verschiedenheit
alle drei Solos richtige 'Fadenschein-Stücke' sind.
Als kleiner Jux am Rande werden im Herbst in der Fadenschein-Werkstatt
eine Reihe herrlicher 'Bettwürste' gefertigt, die sind zu sehen in "Die
Reise zum Mittelpunkt des Sofas" vom KLAPPMAUL-Theater in Frankfurt.
Hanne Scharnhorst führt dort Co-Regie. 1991 Angelika Rolle - inzwischen
längst zu einem unentbehrlichen Bestandteil des Theaters herangewachsen
- beginnt im Herbst 1991 ihre Arbeit im Fadenschein-Büro. Sie bringt endlich
Kontinuität in die Tournee-Planung und zunehmend auch in die so wichtigen
Kontakte zu Politikern und Förderern. Michael Nöck Gebhardt-Seele
entwickelt das Bühnenbild für die "Geschichte vom Onkelchen", das
unter der Regie von Karla Mehrtens im 'Theaterspielplatz' (Kinder- und
Jugendtheater des Staatstheaters Braunschweig) im Frühjahr 91 zur Aufführung
kommt.
Alle Vorstöße im Kulturamt, die Situation des 'FIGURENTHEATERs IN DER
BRÜCKE' zu verbessern, hatten kein Ergebnis gebracht. Die wachsende Enttäuschung
über die Unmöglichkeit, den Spielbetrieb in Braunschweig auszuweiten und
der guten Publikumsresonanz zu entsprechen ließ in langem und zähem innerem
Ringen eine denkwürdige Entscheidung reifen: Ein eigenes Theater
muss her! Im November 1991 zieht das Theater in die vorerst nur notdürftig
renovierte ehemalige Konservenfabrik am Bültenweg um und richtet sich
dort schon mal mit Büro, Werkstatt und Probenraum provisorisch ein. Und
dann geht's erst richtig los: Es folgen fünf lange Jahre auf der Baustelle
mit nimmer enden wollendem Staub, Genehmigungsverfahren mit Stolperschwellen,
endlose Rennereien um Geld und Fürsprache, dennoch manchem Rückschlag
- wie's eben so geht, wenn ein freies Theater baut. Aber folgen wir der
Chronologie...
1992
Nach
der freudigen und großräumigen Berichterstattung in der örtlichen Zeitung
über die Errungenschaft eines festen Standortes, steht postwendend das
Bauordnungsamt auf der Türschwelle und möchte "den Betrieb schließen".
Der große Schreck legt sich jedoch bald wieder, denn schließlich ist das
Gebäude schon seit über 40 Jahren keine Konservenfabrik mehr, außerdem
wurde bereits das Architekturbüro Bernd Grigull mit den Planungen für
den Umbau zum Theater beauftragt und so begnügt sich die Behörde mit dem
Warten auf den Bauantrag. Auch die Bereitstellung der nötigen Geldmittel
ist natürlich ein großes Abenteuer und es bedarf vieler Wege und Umwege,
bis endlich die Stadt und auch das Land Niedersachsen ansehnliche Beträge
in Aussicht stellen.
Nebenbei
sei bemerkt, daß auch Puppenspieler ein Privatleben haben, so wird im
Frühjahr bei Scharnhorsts das zweite Kind geboren, im Herbst bei Gebhardt-Seeles
das dritte. Martin Schimmöller begnügt sich vorerst mit seinem Sohn und
macht zwischenzeitlich ein neues Solostück: "Vom
Müller und den Gespenstern" - Premiere im November 1992.
Im Zentrum der Arbeit steht die Entwicklung der Rolle des "Max Müller".
Beobachtung und Nachahmung, Improvisation und schauspielerisches Training
bestimmen die Probenarbeit. Im direkten Kontakt zu den Kindern erzählt
dieser Max Müller seinen Alltag und seine dabei entstehenden Gespenstergeschichten.
Der Spieler kann in seiner Rolle jederzeit Situationen aufgreifen, auf
Einwürfe reagieren oder Pannen beheben. Diese Figur des Müllers bleibt
den Kindern sehr einprägsam im Gedächtnis, sodass der Spieler auch später
oft mit einem fröhlichen "Hallo Müller" begrüßt wird.
1993
Die
viele unermüdliche Arbeit zum Einen an den laufenden Baumaßnahmen (die
zudem ständig teurer werden!), zum Anderen durch die zwingende Notwendigkeit,
die Existenz des Theaters auch finanziell zu sichern, zollt ihren Tribut.
Und frei nach dem Motto "Wir werden alle nicht jünger" bleiben auch Puppenspieler
nicht von gesundheitlichen Krisen verschont und werden irgendwann von
der Natur gezwungen, den Raubbau der persönlichen Energien zu überdenken.
Es setzt eine Serie gesundheitlicher Ausfälle ein, denen als erstes die
Fertigstellung des Stückes "Das kühne Mädchen" zum Opfer fällt. Ursprünglich
für Herbst 1993 geplant, musste die Premiere verschoben werden, die Arbeit
hatte gut begonnen, das Konzept stand, teilweise auch die sehr komplizierte
Bühnentechnik, doch bis zur endgültigen Fertigstellung werden noch über
zwei Jahre vergehen.
Ein großes Ereignis ist aber im September 1993 die Feier des 10-jährigen
Jubiläums vom FIGURENTHEATER IN DER BRÜCKE. Es gibt eine Festwoche
als Revivalprogramm mit lauter Stücken aus der allerersten Zeit, dazu
eine schöne Ausstellung mit Puppen und Ausstattungen in den Räumen der
'Brücke'. Nele Staußke hilft als Praktikantin fleißig mit.
1994
Das
Programm in der Brücke geht in die letzte Runde. Im Sommer wird der Eröffnungstermin
des neuen Theaters - zwischendrin mehrfach verschoben - wagemutig auf
Januar '95 festgelegt. Die Bauarbeiten im Haus am Bültenweg sind voll
im Gange und ziehen viel Energie ab. Zwischen all dem Tohuwabohu und ständig
vom Bauschutt von einer Ecke zur nächsten vertrieben wird übers Jahr immer
wieder mühsam am Stück gearbeitet: Im November 1994 hat dann endlich "Das
kühne Mädchen" Premiere. Es ist die letzte Premiere in der 'Brücke'.
Die Besetzung im Kulturamt - die mittlerweile eine ganz neue ist - läßt
FADENSCHEIN nur äußerst ungern ziehen (das Programm wird der Brücke fehlen),
aber all sind loyal und der Abschied ist herzlich.
Das Stück allerdings - das ach so kühne - ist trotz erster Runde noch
immer nicht recht fertig, man merkt ihm das Produktionsdilemma an. Nachdem
es noch einmal ein Weilchen ruhen muss, wird es dann im Frühjahr 1996
in Ruhe überarbeitet. Das bekommt ihm ausgesprochen gut. Von da an wird
es dann von allen drei Fadenscheins gemeinsam gespielt, das gab es lange
nicht mehr, so eigentlich überhaupt noch nie ... Ist doch schön! Mit
der eingängigen Musik von Andreas Rebers und raffinierten technischen
Effekten im blauen Erdenrund haben wir die Geschichte immer gern gespielt.
Aber offenbar war sie doch einfach zu aufwändig, verkaufte sich im
Tourneebetrieb nur schwer und wurde nach ca. 7 Jahren "schon"
ausgemustert.
Ein großes Highlight dieses
Jahres ist im September 1994 die Reise in die Partnerstadt Kasan im fernen
Tatarstan. Als Teil der offiziellen braunschweiger Delegation ist FADENSCHEIN
mit dem Stück "ZilpZalp in der Zwitscherbude" dabei und wird von den Kollegen
des "Teatr Kukol" aufs herzlichste aufgenommen. Die Ausstattung
war schon Wochen vorher dick verpackt mit dem LKW auf den Weg gebracht
worden, die Spieler reisen mit Flug und Bahn, wobei die Fahrt im "Tatarstan-Express"
mit Sicherheit eine bleibende Erinnerung hinterlässt. Mittlerweile war
natürlich auf der Baustelle einiges los:
- Große Aufregung, als fest eingeplante Mittel der Lottostiftung plötzlich
doch nicht fließen sollen. Nicht zuletzt der persönliche Einsatz der Ministerin
für Kunst und Kultur läßt das kleine Team schließlich mal wieder erleichtert
aufatmen.
- Seit Anfang '94 sind die Jungs und Mädels vom Projekt "Arbeiten und
Lernen" des Jugendamtes auf dem Dachboden eifrig dabei, aus dem ehemaligen
Taubenfriedhof freundliche und helle Räume zu machen, wo später Kinder
tanzen, schwangere Frauen ihr Yoga üben, Theaterleute trainieren und und
und ...
- Im zukünftigen Theatersaal müssen Wände fallen. Um das möglich zu machen,
ist eine aufwändige Stahlkonstruktion nötig, die bis in den Keller
reicht und viel Stahbeton unter den Füßen braucht. Anfang '94 kommt der
Abbruchhammer zum Einsatz und es wird furchtbar spannend, ob alles halten
wird, wie weit sich das Haus setzt, ob die vielen neuen Fliesen im OG
an der Wand bleiben ... Ist ja dann alles gut gegangen und schon im Frühjahr
'94 ist der Saal so weit hergestellt, dass er als Puppenspielertreff anlässlich
der Braunschweiger Puppenspielwoche genutzt werden kann.
- Das Haupthaus wird mit der Gaststätte durch ein Foyer verbunden, wo
dann auch die Toiletten sind. Sündteuer, aber eben notwendig. Schön wird
es auch - doch das dauert noch.
1995
Am
29.1.1995 wird das neue Theater eröffnet. Juhu! Nix ist fertig - natürlich.
Das Foyer ist ein Rohbau, die Toiletten ebenso. Die Gaststätte nebenan
ist wüste Baustelle. Das Geld ist alle. Aber so ist es eben. Und offenbar
fügt das dem Erfolg keinen Schaden zu. Die Eröffnung ist feierlich und
fröhlich und das erste Programm ist sehr gut besucht. Überhaupt: Es wird
sich sehr schnell herausstellen, dass die Entscheidung zum eigenen Haus
goldrichtig war. Die Gestaltung des eigenen Ambientes, endlich eine persönliche
Prägung herstellen zu können bewährt sich voll und ganz. Und die Publikumszahlen
werden in den nächsten Jahren die kühnsten Erwartungen übertreffen.
Im Sommer sind dann auch alle Bauarbeiten soweit gediehen, dass mit einer
Festwoche in Haus und Hof der Einzug gebührend gefeiert werden kann. Braunschweig
hat ein eigenes Figurentheater! - Wer hat das schon...
Anlässlich der 800-Jahr-Feier der Stadt Braunschweig gibt das Kulturamt
ein Puppenspiel in Auftrag: Martin Schimmöller entwickelt eine Version
der Heinrichsage, die unter dem Titel "Drachenschwanz
und Löwenzahn" im August 1995 Premiere hat. Der Mittelaltercharakter
drückt sich im Spiel durch den Einsatz großer, archaisch geschnitzter
Holzfiguren aus, die eine derbe Spielweise ermöglichen (allerdings beim
Proben den Spieler immer wieder an seine physische Grenze verweisen!),
daneben stehen filigrane, comicartige Zeichnungen und mittelalterliche
Tänze. Der Spieler balanciert in offener Spielweise zwischen Bänkelgesang
und Abenteuerspektakel. Für die Schulklassen, die sich mit der Geschichte
des braunschweiger Herzogs befassen, bietet sich eine Vor- und Nachbereitung
an.
Parallel arbeiten Hanne Scharnhorst und Michael Nöck Gebhardt-Seele
zusammen mit Rudi Schmid vom Fliegenden Theater in Berlin an einem neuen
Stück für das Weihnachtsprogramm. Die intelligente und gänzlich 'unkitschige'
Variante des weihnachtlichen Themas von Frederik Vahle spricht alle Beteiligten
spontan an. Stark inspiriert von den Bildern Pierre Thomé's wird aber
nicht so sehr an einem Text, sondern eher an Stimmungen entlang inszeniert:
wehender Wind, fliegende Blätter, schneiender Schnee, plätscherndes Wasser
und wachsende Blumen machen den Wechsel der Jahreszeiten sinnlich erfahrbar.
Eine wichtige Funktion hat der Einsatz von Lifemusik und -geräuschen mit
Violoncello, Mundharmonika etc. - tatkräftig unterstützt vom Lichtcomputer.
Im November 1995 hat das Stück "Der
kleine Bär und die lange kalte Winternacht" Premiere (und
ist eigentlich dann am schönsten, wenn die Hasen 'Tanzplatz' machen!).
Die Vor-Weihnachtszeit entwickelt sich schnell zur Hauptsaison - Tendenz
steigend. In dieser Phase wird die Bühne im Haus am Bültenweg nicht kalt.
Parallel dazu läuft auch der Tourneebetrieb auf Hochtouren und es sind
ständig zwei Spielteams beschäftigt. Die Phase erfordert höchsten Einsatz
aller Beteiligten und die darauf folgende Pause im Januar erweist sich
zunehmend als notwendig.
1996
Der
"Freundeskreis Figurentheater Fadenschein e.V." wird ins Leben
gerufen. Freunde und Besucher des Theaters finden sich hier zusammen und
tragen mit Mitgliedsbeiträgen die Belange des Theaters mit, oder langen
auch mal tatkräftig zu.
Im Sommer wird der erste Versuch mit einer Spielserie bei den freundlichen
Nachbarn im Botanischen Garten gestartet: Theater für jung und alt auf
der grünen Wiese unter malerischen Bäumen zum Feierabend. Die Aktion wird
ein voller Erfolg und erfreut sich bei den Braunschweigern schnell einer
überschäumenden Beliebtheit. Klar, dass die Sache wiederholt wird!
Das Kinderprogramm ist also insgesamt prima angelaufen und es entsteht
schnell der Wunsch, endlich auch wieder im Bereich des Abendprogramms
tätig zu werden: Zuerst wird lange an einem Rahmen für das neue Abendprogramm
gefeilt. Soviele Kleinigkeiten sind maßgeblich für das Gelingen der Abende.
Hanne Scharnhorst, Angelika Rolle, Monika Fischer (Fotos) und Evelyn Marwehe
(Praktikantin der Kulturpädagogik) arbeiten an der Gestaltung "vor Ort"
und in der Öffentlichkeit. Ein spezifisches Erscheinungsbild, das Esprit
und Sinnlichkeit auch optisch verknüpft, entsteht: "AugenSchmaus"
Für den kulinarischen Teil steuert eine Freundin des Theaters, Liane Hensling-Pohl,
fruchtbare (und schmackhafte) Ideen und auch Taten bei.
Von dieser Ideenvielfalt lassen sich die Förderer und Sponsoren gerne
inspirieren. Insbesondere die Stiftung Nord LB - Öffentliche (Herr Hartmann
und Herr Richter) ist überzeugt und zeigt dies auch. Parallel dazu wird
der Braunschweiger Autor Hartmut el Kurdi beauftragt, zu der Ausstattung
und der Grundidee der alten Kasper-Karagöz-Geschichte ein ganz neues Stück
zu schreiben. Diese Zusammenarbeit erweist sich als prima und im Oktober
1996 startet die AugenSchmaus-Reihe mit der Premiere von "Der
Imbisskrieg - oder nenn mich Ömer" (inszeniert hat Martin
Huber, der in Braunschweig auch kein Unbekannter ist). Das Stück kommt
sehr gut an und wird über die Jahre immer wieder im Programm auftauchen
und sich zu einem begehrten Geheimtip entwickeln.
1997
Schon
länger werden Pläne gewälzt, dem nicht tot zu kriegenden Uraltrenner "ZilpZalp"
einen Nachfolger zu bescheren. Heraus kommt gar eine vergnügliche Fortsetzung:
Martha Knutt 2. Teil heißt "Ein Lied für Martha" und
hat im August 1997 im Botanischen Garten Premiere.
Die Grundschule in Woltwiesche will ihre eigene "Zwitscherbude" haben
und sie bekommt sie auch.
Die unentbehrliche Tätigkeit des Hausmeisters wird schon seit einigen
Jahren über HZA-Stellen geregelt. In diesem Jahr gibt es eine solche Stelle
erstmalig auch für Büromitarbeit und Kassendienste. Ebenfalls erstmalig
wird eine Jahrespraktikantin im 'Fadenschein' beschäftigt (Schnupper-
und Schülerpraktika gab's auch vorher schon).
Im September wird im Theaterspielplatz von Michael Heicks Mozarts unvollendete
Oper "Zaide" inszeniert. Mit dabei Michael Nöck Gebhardt-Seele
als Spieler und Ausstatter im Bereich Figurenspiel. Eine reizvolle Zusammenführung
von Schauspiel und Figurentheater entsteht in einer ausgesprochen intensiven
Arbeitsphase, die für eine Weile Tag und Nacht die FADENSCHEIN-Werkstatt
schier aus den Fugen bersten läßt.
Davor und währenddessen und anschließend läuft die Produktion des "ZAUSEL",
der dann im November 1997 Premiere hat - wieder eine schöne Zusammenarbeit
mit Martin Huber. Eine gewisse Rolle spielt hierbei der immer wiederkehrende
Gedanke der "Bildhaftigkeit", beim Kühnen Mädchen wurden z.B. bewegte
Bilder arrangiert, beim Kleinen Bär waren's vor allem auch die Bilder
im Bilderbuch, die Ausgangspunkt waren - warum also nicht auch mal eine
Geschichte anhand von Gemälden erzählen? Im Übrigen fügt es sich ausgezeichnet,
dass die Drogenberatung Braunschweig ein Stück in Auftrag geben möchte
und mit der SPARDA-Bank Hannover auch schon den Sponsor hat und als sich
herausstellt, dass hierfür die Geschichte vom ZAUSEL geradezu prädestiniert
ist, steht der Arbeit nichts mehr im Weg. Besser kann die Zusammenarbeit
von Auftraggeber, Sponsor und Künstler nicht sein. (Auch das muss mal
gesagt werden!)
1998
Parallel
zu dem Vorstellungsblock des "ZAUSEL" im Frühjahr '98 wird in der 'Brücke'
eine schöne Ausstellung von Kinderbildern eingerichtet, die das Stück
öffentlichkeitswirksam aufbereitet und zeigt, wie die Kinder sich nachhaltig
mit dem Gesehenen beschäftigt haben.
Für Martin Schimmöller soll nun das Märchenerzählen im Mittelpunkt einer
Inszenierung stehen und er bringt im November 1998 eine Bearbeitung des
Märchens "Die Schneekönigin"
auf die Bühne. Stückkonzeption, Spieltechnik und Erzählweise werden weitgehend
vom Spieler alleine in Klausur vorbereitet. Anschließend ist eine ausgiebige
Bauphase nötig, geprobt wird dann überwiegend mit Videokontrolle. Eine
aufregende Variante der Produktion mit ganz spezifischen Möglichkeiten.
Die sehr komplexe Geschichte wird auf wesentliche Stationen reduziert
und im Stil eines Märchenerzählers dargestellt, wobei in Anlehnung an
das Umblättern des Märchenbuches die einzelnen Szenenbilder aus einem
Komplex von Kisten und Gegenständen heraus "beleuchtet" werden. Gemeinsam
mit dem Deutschen Forum für Puppenspielkunst wird im Sommer ein Symposion
zum Thema "Kinderspiel" veranstaltet. Als Dozenten sind Onno Grohmann
und Margrit Gysin geladen und so wird im FADENSCHEIN drei Tage lang erprobend
und debattierend das Thema gewälzt, wie mit Kinderfiguren auf der Bühne
umzugehen sei. "ZilpZalp in der Zwitscherbude" wird in Nordrhein Westfalen
zum "Kindertheater des Monats" ausgewählt und hat während drei
Monaten zahlreiche Gastspiele dort: Open air in Fußgängerzonen, in Schlossparks,
Ferienaktionen etc. mit bis zu 500 Zuschauern. Im Einzelnen ist sowas
ja gar nicht unbekannt nach 15 Jahren Torneebetrieb, doch in dieser Häufung
schon eine Ausnahme.
Saskia Lischkewitz beginnt im Sommer ihr Jahrespraktikum.
Längst hat sich herausgestellt, dass der Betrieb eines eigenen Theaters
doch eine fundamental andere Dimension hat, als das frühere Tourneeunternehmen.
Mehr Mitarbeiter sind notwendig (vor allem auch feste), das Finanzvolumen
ist plötzlich ziemlich gewachsen und natürlich auch die Verantwortung.
(Die parallel hierzu eigentlich dringend notwendige Aufstockung der verlässlichen
Fördermittel ist leider bislang ausgeblieben).
1999
Erstmalig
gibt es im FADENSCHEIN eine "Auszubildende": Silke Just absolviert als
Umschulungsmaßnahme des Arbeitsamtes ein Praxistraining, in dem sie sich
zur freiberuflichen Puppenspielerin weiterqualifizieren möchte. Kräftig
unterstützt von Fadenscheins präsentiert sie im Mai ihre Abschlussarbeit,
ein Solostück für Kinder ab 4 Jahren: "Das Zauberhuhn" (frei
nach einer Erzählung von Hans Fallada). Ina Hauke hat eine ABM-Stelle
und bereitet a) die Internetpräsenz von Fadenschein mit einer eigenen
Homepage und b) eine theaterpädagogische Betreuung rund ums Kinderprogramm
vor. Auch Waldemar Kusainov, der als vielseitiger Handwerker und Hausmeister
schon eine Weile dabei ist, bekommt endlich die ersehnte ABM und kann
wieder kräftig zulangen. Anfangs vom Sozialamt bezahlt, dann stundenweise
als freier Mitarbeiter ist er zu einer schwer wegzudenkenden Hilfe in
der Werkstatt geworden, vor allem aber auch, um das große Haus mit all
seinen Winkeln und Ecken in Schuss zu halten.
Das Theater Fadenschein bereitet das 15-jährige Jubiläum vor und spielt
das gesamte verfügbare Repertoire. Außerdem wird natürlich am 15. Stück
gearbeitet. Endlich ist mal wieder das gesamte Ensemble beteiligt und
zusammen mit Rudi Schmid aus Berlin wird ein aufregend neuer Weg beschritten:
In einer weiteren Variante wird der Gedanke der Bildhaftigkeit ausgelotet
und zu Bildern des Malers Paul Klee wird in einem sehr offenen assoziativen
Prozess eine Abendproduktion für den "AugenSchmaus" entwickelt. Bis das
dann aber soweit ist, vergehen noch ca. 3 Jahre und wenn der Chronist
mal wieder zum Schreiben kommt, dann wird weiter erzählt, was dazwischen
und danach alles geschah........
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Fortsetzung folgt -----
Chronologie der Produktionen
Die
Bundschuhbauern - vor 1980
Die Kronenklauer - vor 1980
Theater über Theater - Mai 1982
Pierrot Lunaire (Klappmaul Theater) - 1981/82
Ein Frosch lernt Fressen - Herbst 1982
Die Reise durchs Fenster - Herbst 1982
Halogen und Bitterlemon - September 1983
Das kleine wilde Tier (Theaterspielplatz) - 1984
ZilpZalp in der Zwitscherbude - September 1984
Einmal der Kirschen Schwärze singen - Oktober 1985
Ein Eselsohr im Waschzuber - Herbst 1985
Firlefanz und Schattentanz - März 1986
Peppino Peperoni - Juni 1987
Die Reise durchs Fenster (Überarbeitung) - Herbst 1988
Ferdinand - Ein starker Stier - Juni 1989
Firlefanz und Schattentanz (Überarbeitung) - August 1989
Ein Wintermärchen - Dezember 1989
KANTO - Einer der auszog durch Türen zu reisen - Juni 1990
Die Reise zum Mittelpunkt des Sofas (Klappmaul) - Herbst
1990
Die
Geschichte vom Onkelchen (Theaterspielplatz) - April 1991
Vom Müller und den Gespenstern - November 1992
Das kühne Mädchen - November 1994
Drachenschwanz und Löwenzahn - August 1995
Der kleine Bär und die lange kalte Winternacht - November 1995
Der Imbisskrieg - Oktober 1996
Ein Lied für Martha - August 1997
Zaide (Theaterspielplatz) - Oktober 1997
Zausel - November 1997
Die Schneekönigin - November 1998
Das Zauberhuhn (Silke Just) - Mai 1999
Es klopft bei Wanja in der Nacht - Winter 2000
Der Prinz von Ithaka - Sommer 2001
Die Kleemaschine - Sommer 2002
Die Kleine Zauberflöte - Winter 2002
Zauberhexen Hexenzauber - Winter 2003
Die Sonne im Gesicht (In Koproduktion mit dem Theater Anke Berger) - Januar
2004
Rubens und Ich - Oktober 2004
Der Entenkönig - Juli 2005
Jakobs Zauberhut - November 2005
VALENTIN - Wie der Fisch vom Stangerl fällt - Februar 2007
TARAMOR - oder: Wenn der Weihnachtsmann nicht kommen kann - November 2008
DIE WICHTELMÄNNER - November 2009
(klein geschrieben sind fremde Produktionen unter Mitwirkung
von FADENSCHEIN)
Herzlicher
Dank geht an alle Förderer und Sponsoren, fleißigen Helfer und Mitarbeiter,
Familienangehörige und natürlich an unser Publikum!

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